Der Erwartungswert beim Pokern - G-Bucks
Das Konzept der Sklansky Bucks hat uns gezeigt, wie wir einfache Situationen auf deren Profitablität untersuchen, wenn wir die Hand unseres Gegners genau kennen. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter.
Das mathematische Konzept der G-Bucks ist eine Erweiterung des Konzeptes der Sklansky-Bucks, jedoch in der Praxis wesentlich relevanter. Auch wenn dieses Konzept von vielen guten Pokerspielern intuitiv verstanden und angewandt wird, wurde es erstmals 2007 von Phil Galfond ausformuliert und benannt (Galfond = G-Bucks). Phil Galfond, ein High Stakes Online Poker Pro, gilt als das Mastermind der Szene und ist online unter seinen Screennames OMGClayAiken (Full Tilt Poker) und Mrsweets28 (Pokerstars) bekannt. 2008 konnte er bei der World Series of Poker in einem Pot Limit Omaha Turnier ein Bracelet mit nach Hause nehmen.
Was sind G-Bucks?
Das Konzept der G-Bucks ist eines der wichtigsten Konzepte im Poker überhaupt. Im Gegensatz zum Konzept der Sklansky Bucks werden hier nicht die Equity und der Erwartungswert von Hand gegen Hand berechnet, sondern von Hand gegen Range. Da wir in der Praxis nie genau wissen können, welche Hand unser Gegner genau hält, sondern lediglich seine Range abschätzen können, ist das Konzept der G-Bucks wesentlich praxisbezogener als das Konzept der Sklansky Bucks.
Beispiel 1
Unser Gegner pusht mit $100 preflop all-in. Wir halten QQ, callen $100, er zeigt AA und gewinnt.
Realer Verlust = - $100
Sklansky Bucks: Unsere Equity mit QQ gegen AA beträgt 18%.
Sklansky Bucks = ($200 * 0,18) - $100 = - $64
G-Bucks: Wir kennen unseren Gegner und wissen, dass er diesen Move nicht nur mit AA macht, sondern auch mit KK, QQ, JJ, AK und AQ. Da wir seine Hand nicht kennen, spielen wir gegen diese gesamte Range.
Die Equity lässt sich am einfachsten mit dem Tool Pokerstove bestimmen und beträgt in diesem Fall gegen die gesamte Range 51%.
G-Bucks = ($200 * 0,51) - $100 = + $2
Realer Verlust = - $100
Sklansky Bucks = - $64
G-Bucks = + $2
Beispiel 2
Wir spielen an einem 6max NL100 Tisch und callen vom Button den Cut-Off Raise mit QhJh. Da wir unseren Gegner aus vergangenen Partien sehr gut kennen, wissen wir, dass er ein solider, tight-aggressiver Spieler ist, der seine Draws sehr hart bettet und seine starken Hände kaum slow-played.
Flop: Qd - 8h - 7d
Unser Gegner bettet $8 in den $8 Pot. Wir callen.
Turn: 3s
Unser Gegner bettet $22. Wir callen.
River: 3h
Unser Gegner geht all-in und bettet 67$ in den mittlerweile $68 großen Pot.
Unser Top Pair sieht hier nicht mehr ganz so gut aus, oder? Gehen wir die Hand einfach Schritt für Schritt durch. Also, wir wissen unser Gegner eröffnet am Cut-Off relativ viele seiner Hände, sagen wir also ca. 30%. Das wäre dann ungefähr diese Range:
22+,A2s+,K5s+,Q7s+,J7s+,T7s+,97s+,86s+,75s+,64s+,54s,A9o+,KTo+,QTo+,J9o+,T9o
Am Flop macht er zumeist eine Continuation-Bet und damit ändert sich seine Range nicht wesentlich. Interessanter wird es dann am Turn. Wir wissen, es handelt sich um einen soliden Spieler, der am Turn seine schwachen Top Pair Hände sehr oft checkt, um den Pot nicht zu groß werden zu lassen. Draws und starke Hände bettet er aggressiv. Am River setzt er mit seinen starken Händen; seine verfehlten Draws verwandelt er sehr oft in Bluffs.
Folgende Hände schlagen uns: AA, KK, QQ, 88, 77, 33, AQ
Wir allerdings schlagen alle Hände, die den erhofften Flush oder die Straße verfehlt haben. Da wir gegen seine gesamte Range eine Gewinnwahrscheinlichkeit von ca. 60% haben (Pokerstove), ist dies ein sehr einfacher Call.
G-Bucks = [(135+67) * 0,6] - 67 = $54
Mit diesem Call machen wir also im Schnitt $54 Gewinn, auch wenn wir gelegentlich in sehr starke Hände laufen.
'Nur wer nicht mit dem Feuer zu spielen versteht, verbrennt sich daran.', Oscar Wilde
Tatsache ist, wir bräuchten nur ca. 33% Equity um diesen Call zu rechtfertigen und Break-Even auszusteigen. Im Pot befinden sich nach seiner River-Bet bereits $135 und der Call kostet uns nur $67.
Zusammenfassung:
Equity nach Ranges zu beurteilen (G-Bucks) ist eines der wichtigsten mathematischen Konzepte des Pokerspiels. Da du dies kaum während des Live-Spiels selbst machen kannst, empfiehlt es sich, abseits des Pokertisches Situationen und Ranges mit einem Tool wie Pokerstove zu analysieren. Poker ist nicht nur Spiel, Poker ist auch Training.
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