Das Konzept der Bluff-Outs
Ein guter Pokerspieler kalkuliert nicht nur jene Outs, mit denen er tatsächlich seine Hand macht. Auch die Karten, die ihm helfen seinen Gegnern zu bluffen, hat er immer im Hinterkopf - die sogenannten Bluff-Outs.
Um sich dem Konzept der Bluff-Outs langsam anzunähern, wollen wir heute gleich mit einem Beispiel einsteigen. Wir sitzen im Cut-Off und eröffnen mit 6d7d. Der BB callt.
Unsere Karten: 6d7d
Flop: Ac 9d Jd
BB setzt 3/4 des Pots. Wir callen.
Turn: 2s
BB setzt 3/4 des Pots. Wir callen.
River: Kd
Der BB checkt. Wir setzten 3/4 Pot. Der BB foldet.
Mit der Turn Bet des Big Blinds bekommen wir 7:3 Pot Odds, also ca. 2.3:1. Wir bräuchten mit unserem Flush-Draw allerdings 4:1 Pot Odds damit der Call sofort profitabel wird. Da der Flush sehr offensichtlich ist, foldet unser Gegner auf unsere Value-Bet. Unser Spielzug ist nicht profitabel.
Flushes sind sehr einfach zu erkennen, wenn sie am River ankommen und man wird nur selten ausbezahlt. Das können wir uns zu Nutzen machen. Wir verwenden Flush-Draws am Board einfach als Bluff-Outs:
Nehmen wir nochmals das erste Beispiel, jetzt allerdings in etwas veränderter Form. Wir halten mit 8hTh diesmal keinen Flush-Draw, sondern einen Straight-Draw.
No Limit: $2/$4
Unsere Karten: 8hTh
Eröffnung auf $12.0. BB callt.
Flop ($14.0): Ac 9d Jd
BB setzt die 3/4 des Pots ( $9.0 ). Wir callen.
Turn ($32.0): 2s
BB setzt 3/4 des Pots ( $24). Wir callen.
River ($80): Kd
Der BB checkt. Wir setzten 3/4 Pot ($60). Der BB callt.
Straight-Draws sind mit 8 Outs etwas schwächer als Flush-Draws mit 9 Outs. In diesem Szenario nutzten wir aber die Flush-Outs zu unserem zusätzlichen Vorteil. Damit haben wir 8 Outs von unserem regulärem Straight-Draw und 11 Bluff-Ous vom Flush-Draw am Board (es sind hier 11 Outs und nicht 9, da wir selbst ja die Flush-Farbe nicht halten). Insgesamt haben wir somit 19 Outs mit denen wir kalkulieren können.
Hat unser Turn-Call ($24) einen positven Erwartungswert?
Szenario 1: Straße
Nehmen wir an, dass wir in diesem Szenario zu 75% ausbezahlt werden und dabei $60 verdienen.
0.75 * ( $32 + $24 + $60 ) + 0.25 * ( $32 + $24 ) = $102.5
Szenario 2: Flush
Nehmen wir an, dass unser Gegner zu 25% setzt und wir folden, zu 25% checkt er und callt unseren Bluff und zu 50% gelingt unser Bluff.
0.25 * ( -$24 ) + 0.25 * ( -$24 - $60) + 0.5 * ( $32 + $24) = + $1.0
Szenario 3: Keine Straße und kein Flush
Wir verlieren unser Investment von $24.
Insgesamt sind 46 Karten im Spiel und wir bekommen damit folgende Kalkulation:
8/46 * $102.5 + 11/46 * $1.0 + 27/46 * ( -$24 ) = $3.97
Damit haben wir erwiesen, dass unser Turn-Call profitabel ist. Dies waren relativ konservative Annahmen und in der Praxis wird der Erwartungswert gegen einen tighten Gegner wesentlich höher liegen.
Anmerkung:
Zwei Spezialfälle habe ich hier nicht berücksichtigt, die unseren Erwartungswert noch etwas erhöhen. Zum einen könnte unser Gegner beim Straßenboard setzten, wir erhöhen und er callt. Zum anderen könnten wir seine River-Bet am Flush-Board als Bluff erhöhen und er foldet.
Zusammenfassung:
Das richtige und schnelle erfassen von Bluff-Outs ist oftmals jener Faktor, der den durchschnittlichen Spieler vom sehr guten Spielern unterscheidet. Mache es dir zur Gewohnheit, jedes Board automatisch auch auf sich ergebende Bluffmöglichkeiten zu untersuchen.
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